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Goodbye, mein kleiner Freund

14. Januar 2010

16 Jahre hast du mich durchs Leben begleitet, mein lieber kleiner Leopold. Am 11.11.1993, als du geboren wurdest, war ich dabei und habe dich sozusagen in Empfang genommen. Ein kleiner schwarzer Kater erblickte damals die Welt und hat mich seitdem 16 Jahre lang durchs Leben begleitet. Damals war ich gerade 12 Jahre alt. Am 01.01.2010 hielt ich dich in meinen Armen, als dein Herz das letzte Mal schlug. Seitdem vermisse ich dich an jedem einzelnen Tag. Wenn ich nach Hause komme, dann ist die Wohnung leer. Früher, da kamst du sofort angelaufen, hast zur Begrüßung miaut und geschnurrt. Du warst immer so brav, hast niemals an Möbeln gekratzt oder irgendwelche Flausen veranstaltet. Niemals hast du mich angeknurrt oder gefaucht oder gar absichtlich gekratzt. Du warst so glücklich, wenn ich dich gestreichelt habe. Zwar warst du im Alter nicht mehr so verspielt, aber trotzdem hattest du so viel Freude daran, kleine Papierkügelchen zu jagen oder hinter Tischtennisbällen hinterherzurennen.

Du hast so gerne in der Sonne gelegen und hast dir stundenlang den Bauch streicheln lassen. Wie du es geliebt hast, wenn ich dein langes schwarzes Fell gebürstet habe. An deinem Kinn habe ich dich immer ganz vorsichtig und sanft gebürstet und du hast vor lauter Behaglichkeit die Augen geschlossen und hingebungsvoll geschnurrt. Wenn ich am Wochenende Zeit hatte, um ausgiebig zu frühstücken, hast du freudig auf dem Stuhl neben mir gesessen und mit deinem Pfötchen ganz vorsichtig nach dem Besteck geangelt, so als wolltest du sagen: ”Schau mal, ich bin auch noch da, ich helfe dir gern mit der Wurst!” Du hattest auch deinen Spaß daran, Teelöffel oder meine Armbanduhr mit der Pfote vom Tisch zu werfen. Immer und immer wieder. Hauptsache, die Sachen haben schön geglänzt.

Früher, als du noch nach draußen konntest, da hast du jede Nacht Mäuschen gefangen und sogar Maulwürfe waren vor dir nicht sicher. Ansonsten hast du gern unter einem Busch gedöst oder bist aufs Dach geklettert, aber sobald ich dich gerufen habe, kamst du sofort angelaufen. Hauptsache Kuscheln und Liebhaben – das war für dich immer das Wichtigste. Gerne durfte ich dich auch kräftig durchrubbeln, du hast dabei geschnurrt, gebrabbelt und gegurrt und deinen Kopf an allem gerieben, was in Reichweite war. Wenn ich mich fürs Bett fertiggemacht habe, bist du schon reingekrabbelt und hast auf mich gewartet. Neben dem Bett stand für dich ein eigenes Wasserglas. Nacht um Nacht bin ich eingeschlafen, meine Hand auf deinem Bauch und dein sanftes Schnurren im Ohr.

Du warst ein gesprächiger kleiner Kerl mit ganz viel Persönlichkeit. Besucher hast du ganz schnell um die Pfote gewickelt und das gelang dir sogar bei denen, die angeblich keine Katzen mochten. Du warst immer für mich da und es bedurfte so wenig, um dich glücklich zu machen. Umgekehrt hast du soviel gegeben, so viel Zuneigung, so viel Trost, so viel Wärme. Ich sollte mich glücklich schätzen, dass ich dich 16 Jahre bei mir haben durfte. Und doch denke ich daran, dass so oft von Katzen gesprochen wird, die 20 Jahre und älter geworden sind. Warum nicht auch du, mein Kleiner? Als du krank wurdest, hätte ich es nicht für möglich gehalten, dass es auf einmal enden könnte. Es war eine schreckliche Zeit, in der sich Sorge und Hoffnung ständig abwechselten. Bis schließlich der Zeitpunkt kam, an dem der Tierarzt alles versucht hatte. Die Silvesternacht, das war die letzte Nacht, in der du im Bett an meiner Seite lagst. Draußen knallte und blitzte das Feuerwerk, die Leute feierten ausgelassen. Und du, mein kleiner Freund, im Alter mittlerweile taub geworden, du lagst da und wolltest keinen neuen Lebensmut fassen. Das neue Jahr habe ich mit Tränen begrüßt. Es war ein seltsames Gefühl zu wissen, dass du in ein paar Stunden wohl nicht mehr da sein würdest. Kurz hatte ich die Hoffnung, dass du dich vielleicht doch noch erholen könntest. Immerhin war das neue Jahr da und du konntest doch nicht umsonst so lange durchgehalten haben. Aber im Verlauf des nächsten Tages wurdest du immer schwächer, von Stunde zu Stunde. Ich habe gewartet und dich im Arm gehalten, als du dich nicht mehr bewegen konntest. Mit letzter Kraft hast du dich an diesem Tag noch zur Toilette geschleppt. Schließlich lagst du nur noch da, die Augen zwar offen, aber ohne Reaktion. Wenigstens hattest du keine Schmerzen. Hast wohl auch garnichts mehr mitbekommen, wie der Tierarzt meinte. Ich hoffe, dass du vielleicht trotzdem irgendwie gespürt hast, dass ich bei dir war. Bis plötzlich dein kleines Herz zu flattern schien und dann zu schlagen aufhörte.

So schließt sich der Kreis, von der Geburt bis zum Tod. Ich dachte, ich hätte keine Tränen mehr übrig, aber während ich dies schreibe, da kommt alles wieder hoch. Ich hätte alles gegeben, um noch ein wenig mehr Zeit mit dir zu haben. Um mein Gesicht in deinem weichen, warmen Fell zu vergraben, um dein Schnurren zu hören. Leb wohl, mein treuer kleiner Freund. Du warst der wundervollste Kater der Welt, eine kostbare Seele voller Liebe. Ich will nicht mehr weinen, sondern die schöne Zeit mit dir im Herzen bewahren. Und doch tut es so weh, deine Abwesenheit. Leb wohl, mein kleiner Schatz, leb wohl.

8 Kommentare

  1. Auch mir laufen gerade die Tränen nur so aus den Augen. Es tut mir so unendlich leid…

    “Wer im Gedächtnis seiner Lieben lebt, der ist nicht tot, der ist nur fern; tot ist nur, wer vergessen wird.”

    Fühl Dich fest in den Arm genommen.. 16 Jahre sind eine lange Zeit, 16 Jahre hatte er ein ganz wunderbares Leben.


  2. Oh wow, mein herzlichstes Beileid. Ich kenne den Verlust von Tieren, die zur Familie gehört haben und einem ans Herz gewachsen sind, gut.
    Tatsächlich musste ich fast weinen, als ich den Artikel gelesen habe.
    kleiner Gruß,

    Fanta


  3. es tut mir einfach nur leid:cry:

    fühl dich lieb umarmt


  4. Vielen Dank für eure lieben Worte!!!!


  5. Hab jetzt Tränen in den Augen.
    Sehr schön geschrieben.
    Katzenfreunde können sich da hineinfühlen.
    Tut mir auch sehr leid, aber ich bin mir
    sicher er hat ein wundervolles Katzenleben gehabt.


  6. 16 Jahre zusammen, eine lange Zeit …

    Und jetzt war seine Zeit gekommen, er mußte gehen …

    Ich fühle mit Dir …


  7. Oh nein, wie traurig! Jetzt muss ich erst mal ein Taschentuch suchen…
    Aber ich bin mir sicher, dass er ein ganz wunderschönes (und langes) Leben bei dir hatte und dass er deine Nähe bis zuletzt gespürt hat. Wieviele Katzen auf der Welt haben dieses Glück nicht?
    Wenn ich daran denke, dass unsere Kater auch beide nicht mehr jung sind, wird mir ganz anders.
    Und vielleicht, wenn man sich richtig verabschiedet hat, findet sich irgendwann auch einmal der Mut, einer anderen Katze ein bisschen Glück zu schenken.
    Aber natürlich wirst du Leopold nie vergessen. Wie könntest du?


  8. als ich deinen blogeintrag gerade las, kullerten mir wieder mal die tränen runter, und mein herz verkrampfte sich. mein katerchen sah deinem sehr ähnlich. ich verlor ihn im dez 2008. sein schwesterchen folgte ein jahr später im nov 2009. sie wurden 17 und 18 jahre. fotos von den beiden kannst du auf meinem blog unter fotos Wokan Wonny sehen.

    wenn ich nicht auf raten meiner ärtzin mir wieder 2 katzen genommen hätte, wäre ich vermutlich verückt geworden. ich wußte nicht, dass so ein schmerz, den der tod der beiden bei mir auslöste, solche kraft und macht haben würde.

    meine 2 neuen süßen benjamin und samira sind mir mittlerweile ans herz gewachsen, aber meine 2 freunde wokan und wonny werden auf ewig in meinem herzen verweilen. ich hoffe, dass es mal auch ohne tränen sein wird, wenn ich an sie denke.

    ich wünsch dir alles gute und ich fühle mit dir…



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